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Von der Limited zur GmbH – JETZT Handlungsbedarf ein Betrag unserer Gastbloggerin RA Cornelia Hübner

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Führen Sie eine britische Limited in Deutschland? Dann sollten Sie jetzt handeln. Die BREXIT-Verhandlungen schwächeln und es wird immer wahrscheinlicher, dass es einen EU-Ausstieg von Großbritannien ohne Vertrag geben werden. Damit entfallen ab dem Tag des BREXIT die gesellschaftsrechtlichen Privilegien der Limited. Ihre Limited würde ab 30. März 2019 in Deutschland automatisch als Personengesellschaft (bei mehreren Gesellschafter*innen) bzw. als Einzelunternehmen (bei einer Einpersonen-Limited) behandelt – und Sie als Gesellschafter*in haften persönlich und mit Ihrem gesamten Vermögen für alle bestehenden Verbindlichkeiten. Nicht besser sieht es steuerlich aus: Zu diesem Zeitpunkt sollen alle stille Reserven in der Limited als aufgedeckt gelten. Momentan sieht es nicht danach aus, dass es von Seiten des deutschen oder europäischen Gesetzgebers irgendwelche Übergangsregelungen oder gar einen Bestandsschutz für Limiteds mit Verwaltungssitz in Deutschland gibt.

 

Es gibt verschiedene Strategien, um sich dagegen zu wappnen. Welchen Weg Sie gehen, müssen Sie jetzt entscheiden. Hierfür ist unbedingt steuerliche und rechtliche Beratung erforderlich.

 

Wenn Sie zum Beispiel die britische Limited in eine deutsche GmbH umwandeln möchten, wäre dies jetzt (Stand Juli 2018) noch rückwirkend zum 31.12.2017 möglich. Allerdings gibt es zwei Voraussetzungen dafür: Sie benötigen einen festgestellten Jahresabschluss 2017 und Sie müssten vor Ende August 2018 beim Notar gewesen sein, um die Umwandlung zu beurkunden. Wollen Sie die Umwandlung dagegen auf den 31.12.2018 durchführen, müssen Sie nach Jahresende umgehend Ihren Jahresabschluss fertigstellen und dann so zum Notar, dass die Umwandlung spätestens am 29.03.2019 im Handelsregister eingetragen ist. Da es hierbei immer zu Verzögerungen kommen kann, sollte der Notartermin nicht wesentlich nach dem 10.02.2019 stattfinden.

 

Auch andere Wege sind möglich. So ist es denkbar, eine GmbH zu gründen und die Limited in diese einzulegen. Hat die Limited eine GmbH als Gesellschafterin und wird dann zur Personengesellschaft, ist das zumindest haftungsrechtlich unproblematisch, weil Gesellschafterin zu diesem Zeitpunkt ja nur noch die GmbH ist. Auch hier ist es notwendig, alles Notwendige unbedingt vor dem 29.03.2019 abgewickelt zu haben. Andernfalls ist die persönliche Haftung der Gesellschafter schon eingetreten. Um die Limited nicht weiter fortführen zu müssen, können Sie sie dann auch noch auf die GmbH verschmelzen.

 

Theoretisch denkbar wäre auch, dass die Limited ihr Geschäft an eine neue deutsche GmbH verkauft. Allerdings ist zu bedenken, dass „das Geschäft“ nicht in Gänze zu übertragen ist, sondern dass alle Vermögensgegenstände der Limited und alle Vertragsbeziehungen mit Kunden und Lieferanten einzeln auf die neue Gesellschaft übertragen werden müssten. Hierbei werden die stillen Reserven steuerlich aufgedeckt und der Gewinn hieraus ist steuerpflichtig. Dieser Weg dürfte also der umständlichste und steuerungünstig sein.

 

Sprechen Sie jetzt mit Ihren steuerlichen Berater*innen und lassen Sie sich rechtlich beraten, was in Ihrer Situation der beste Weg für Sie ist.

21.07.2018

Cornelia Hübner

Die Autorin ist Rechtsanwältin, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Handel- und Gesellschaftsrecht sowie zertifizierte Unternehmensnachfolgeberaterin (zentUma e.V.) bei Arfmann Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Karlsruhe. Sie berät Gesellschaften unter anderem bei Umstrukturierungen.

Lieferscheine aufbewahren ? Wenn ja wie lange?

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Manchmal tut sich auch was positives in der Gesetzgebung.  Rückwirkend zum 01.01.2017 verkürzten sich die steuerlichen Aufbewahrungsfristen von Lieferscheinen.

Bei empfangenen Lieferscheinen, die keine Buchungsbelege sind, endet die Aufbewahrungsfrist mit dem Erhalt der Rechnung.

Für abgesandte Lieferscheine, die keine Buchungsbelege sind, endet die Aufbewahrungsfrist mit dem Versand der Rechnung.

Bislang waren Lieferscheine auch dann aufzubewahren, wenn sich die Angaben aus den Rechnungen ergeben. Die Aufbewahrungspflicht beträgt (gemäß § 147 Abs. 3 Satz 1 AO) sechs Jahre bzw. zehn Jahre, wenn die Lieferscheine als Buchungsbeleg verwendet werden. Künftig  wird auf die Aufbewahrung von Lieferscheinen verzichtet , wenn deren Inhalt eingangs- bzw. ausgangsseitig durch die entsprechende Rechnung dokumentiert ist.

Zu beachten ist, dass eine erstmalige Anwendung der neuen Aufbewahrungsfristen auf Lieferscheine erfolgt, deren Aufbewahrungspflicht nach der bislang geltenden Regelung bis zum 31.12.2016 noch nicht abgelaufen ist

Tipp:

Erfolgt bei den Rechnungsangaben ein Verweis auf Lieferscheine, sind diese Bestandteil der Rechnung und somit auch künftig 10 Jahre aufzubewahren.

 

Steuerklasse 3/5 oder 4/4 ?

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Eine Hochzeit bringt Ehepaaren steuerliche Vorteile. Diese können durch die richtige Wahl der Steuerklassen erreicht werden.

Die wichtigsten Fakten:

  • Beide Ehepartner erhalten nach der Hochzeit automatisch die Steuerklasse 4
  • Sie können schriftlich eine andere Steuerklassenkombination beantragen
  • Möglich sind die weiteren Kombinationen 3/5 oder 4/4 mit Faktor
  • Die Steuerklassen können Sie einmal im Jahr wechseln

Mögliche Steuerklassenkombinationen für Ehepaare:

  • Steuerklassen 4 und 4
  • Steuerklassen 3 und 5
  • Steuerklassen 4 und 4 mit Faktor

Dann sollten Sie 4/4 wählen:

Beide Ehepartner verdienen etwa gleich Die Differenz des Gehalts ist kleiner als 10%, beide Partner erhalten die gleichen Abzüge,  vergleichbar mit Steuerklasse 1

Dann sollten Sie 3/5 wählen:

Beide Ehepartner verdienen unterschiedlich viel, einer der Eheleute verdient ca. 60 % des gemeinsamen Einkommens und der andere ca. 40% oder die Einkommen gehen noch weiter auseinander. Dann wählt die besserverdienende Person  die Steuerklasse 3.

4 / 4 mit Faktor ist dann optimal:

Das Ehepaar verdient nicht gleich viel, die Gehaltsdifferenz ist jedoch nicht so groß, dass die Variante 3 / 5 Sinn macht.Folge: Jeder Partner zahlt in etwa nur den prozentualen Anteil an Steuern, den er selbst zum Einkommen beisteuert.

  • Wichtig: Am Ende des Jahres ist die Steuer immer dieselbe, egal welche Steuerklasse Sie unterjährig wählen. Es handelt sich immer nur um Vorauszahlung auf die endgültig im Steuerbescheid zu ermittelnde Steuer.  Sie können als nicht wirklich etwas falsch machen, egal, welche Steuerklasse Sie wählen.

Kleinbetragsrechnungen bis 250 €

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die Grenze für Kleinbetragsrechnungen im Sinne des Umsatzsteuergesetzes ist rückwirkend von 150 auf 250 € erhöht worden.  Das bedeutet, dass bis zu 250 € nicht mehr der vollständige Name und vollständige Anschrift des Rechnungsempfängers erhalten sein muss. in der Vergangenheit war dies vor allem bei Bewirtungsbelegen  und unter Umständen bei Tankbelegen zum Problem geworden.  Diese Regelung gilt rückwirkend ab dem 1.1.2017

Ab und zu gibt es wirklich noch echte Vereinfachungen