Werden vollautomatische Steuerbescheide Wirklichkeit?

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Am 1.1.2017 ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, welches die Arbeit der Finanzverwaltung erheblich verändern wird und Auswirkungen auf die Steuerzahler hat. Künftig gibt es den Grundsatz der elektronischen Bearbeitung. Die eingegangene Steuererklärung wird künftig zuerst einer Risikoprüfung unterzogen.

Dabei werden Fälle ausgesteuert, die mit einem signifikanten Risiko behaftet scheinen, Fälle der Zufallsauswahl sowie Steuererklärungen, die im Freitextfeld die Aussteuerung erbeten haben.

Bei den nicht aus gesteuerten Fällen wird sofort vollständig maschinell veranlagt. Ziel der Finanzverwaltung ist es, 80 % der Steuerbescheide künftig voll maschinell zu erstellen.Dies wird sicherlich zu einer schnelleren Erstattung führen.

Bei den aus gesteuerten Fällen erfolgt eine prüffeldbegrenzte Prüfung der Steuererklärungen. Erst jetzt werden die zur Erledigung dieser Fälle benötigten Belege und sonstige Nachweise nachträglich angefordert. Dies bedeutet, dass künftig die Belege zur Steuererklärung erst zu diesem Zeitpunkt eingereicht werden dürfen. Aus der Belegvorlagepflicht wird eine Belegvorhaltepflicht.

Es empfiehlt sich deshalb, die Belege so lange sind vorzuhalten,, bis die Steuerbescheide ergangen sind.
Wo sind die Auswirkungen für den Steuerzahlen?

Bisher war es möglich, Belege bei der Finanz einzureichen, der Finanzbeamte hat diese geprüft und eine Entscheidung getroffen. Diese Entscheidung war in der Regel nicht mehr korrigierbar. In Zukunft werden keine Belege mehr eingereicht, dies bedeutet, wenn nun nachträgliche Belege angefordert werden, sind dies wohl fast immer neue Tatsachen. Damit darf das Finanzamt den Steuerbescheid jederzeit nochmals nachträglich ändern. Willkommen in der Welt der vollautomatischen Steuerbescheide!

Wie geht es weiter mit dem Thema Kasse?

martina_zimmermann_brase

Die Bundesregierung möchte sicherstellen, dass digitale Grundaufzeichnungen z.B. bei elektronischen Registrierkassen nicht mehr manipuliert werden können.
Dabei ist eine technische Sicherheitseinrichtung für elektronische Aufzeichnungen geplant, welche durch das Bundesamt für Sicherheit und Informatik zertifiziert wird. Aktueller Standard ist momentan das INSIKA – Verfahren, aber jeder Kassenhersteller kann ein Verfahren entwickeln und zertifizieren lassen.

Dies soll gewährleistet werden, dass die Kasseneingaben mit Beginn des Aufzeichungsvorgangs protokolliert werden und später nicht mehr manipuliert werden können.
Diese Aufzeichnungen werden auf einen Speichermedium sicher und unveränderbar gespeichert und es soll dann eine Digitale Schnittstelle für die reibungslose Datenübertragung an die Finanzverwaltung geben.

Daneben soll es eine Kassennachschau geben, das ist keine Außenprüfung, sondern eine unangekündigte Nachschau während der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeiten. Dabei darf das Finanzamt die Daten der Kasse und die Schnittstelle für die Datenträgerüberlassung anschauen und prüfen.

Was ist nicht geplant:
Entgegen bisherigen Überlegungen ist eine allgemeine Registrierkassenpflicht für Wochenmärkte, Straßenverkäufer oder Vereinsfeste nicht geplant-
Eine Belegausgabepflicht, wie sie beispielsweise Italien hat, ist auch nicht geplant

Ich bin richtig gespannt, was hier noch geschieht und welche Änderungen /Neuerungen Mandant und Berater weiter aus Trapp halten.

Kassen – was wird 2017 Realität ?

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Nach einem Bericht der OECD führen Umsatzverkürzungen mit Hilfe elektronischer Kassensysteme zu einer Bedrohung für die Steuereinnahmen. So wird geschätzt, dass in manchen Branchen lediglich 50 % der Umsätze legal versteuert werden. Dazu tragen auch Kassen bei, die über irreguläre Software verfügen. Damit werden Umssatzverkürzung erleichtert. So kann unter Umständen mit Trainingsschlüssel gearbeitet weden und /oder Umsätze können auf den ersten Blick unsichtbar storniert werden. Hinzu kommt, dass in Deutschland immer noch 53,2 % der Einkäufe bar bezahlt werden.
Dem setzt das Finanzamt eine neue Kassenstrategie entgegen.

Insbesondere bargeldintensiven Betrieben, wie Einzelhandel, Taxiunternehmen, Eisdielen, Pizzerien, Kioske, Friseuren und Apothekern stehen prüfungsintensive Zeiten ins Haus.
Ab 2017 gilt folgendes:

1. Eine offene Ladenkasse ist immer noch erlaubt. Allerdings müssen die Einnahmen einzeln mit Namen aufgezeichnet werden, es sei denn es handelt sich um Waren von geringem Wert, die an eine Vielzahl von Personen verkauft werden. Wenn eine offene Ladenkasse im Einsatz ist, dann müssen die Einnahmen retrograd ermittelt werden. Das heißt, die Kasse muss am Tagesende gezählt werden und die Einnahmen rückwärts ermittelt werden.
2. Ab 2017 sind nur noch Kassen mit Einzelaufzeichnungen und Datenexport erlaubt. Dies bedeutet, auch wenn die Daten des Journals gelöscht sind, z. B, durch Erzeugung des Z- Bons, sind die Daten immer noch im festen Speicher der Kasse. Dies gilt beispielsweise auch für Wiegekasssen beim Metzger oder im Lebensmittelmarkt. Dies bedeutet, alle Daten müssen digital archiviert werden, die Ausdrucke reichen nicht mehr aus.
3. Aufbewahrungspflichtig sind außerdem die Bedienungsanleitung, die Protokolle über Einrichtung von Verkäufer-, Kellner- und Trainingsspeicher, sowie die Programmabrufe nach jeder Änderung, z.B. der Artikelpreise, Stammdatenänderung etc.

4. Besonderes Augenmerk ist auf die Stornobuchung zu richten. Diese sind alle aufzubewahren, und auf dem Z-Bon sichtbar zu machen, ebenso wie Belege über Entnahmen und Retouren.

Ein ordnungsgemäßer Z- Bon umfasst künftig mehrere Positionen:
a) Den Finanzbericht – wie hoch war mein Umsatz
b) Den Zahlungswegbericht – wer hat bar, mit EC Cash, mit Kreditkarte bezahlt
c) Den Warengruppenbericht – 5 Schnitzen, 3 Bier
d) Den Bedienerbericht

Gerne möchte ich auch nochmals darauf hinweisen, dass ein Kassenbuch täglich zu führen ist. Gerade weil in Zukunft alles gespeichert werden muss, kann auch nachvollzogen werden, wann die Kasse geführt wurde. Die Kasse muss spätestens am nächsten Tag geführt werden.
Künftig ist nicht mehr nur die Buchführung Gegenstand der Prüfung, sondern eben auch die vorgelagerten Systeme, das können Rechnungsschreibungsprogramm, Taxameter, elektronische Fahrtenüber, elektronische Kundenkartei, Mails mit steuerlich relevanten Danke, oder die Zeiterfassung sein.

Es ist damit zu rechnen, dass bei fehlender ordnungsgemäßer Kassenführung das Finanzamt zuschätz, da die Beweislast für den Gewinn bei nicht ordnungsgemäßer Kasse beim Mandant liegt. Nur eine ordnungsgemäße Buchfürhung hat Beweiskraft.
Und- Je mangelhafter die Kasse, desto häher die Zuschätzung.
Tipp1: Lassen Sie sich von Ihrem Kassenhersteller bestätigen, dass die Kasse den neuen Vorschriften entspricht.
Tipp2: Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater über die neuen Vorschriften, sie ersparen sich damit jede Menge Ärger.

Aussergewöhnlich Belastungen kurz zusammengefaßt:

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Neues und Wichtiges aus dem Gebiet der aussergewöhnlichen Belastungen:

1. Abzug von Unterhaltsleistungen

In manchen Fällen können Unterhaltsleistungen an geschiedene Ehepartner, Kinder oder Eltern als aussergewöhnliche Belastungen steuerlich berücksichtigt werden. Neu ist jedoch, dass die unterhaltende Person, z.B. das 27 jährige studierende Kind den Eltern als Unterhaltsgebern die Identifikationsnummer mitteilen muss. Ein Abzug von Unterhaltsleistungen an in Deutschland lebende Personen ist nur noch mit dieser Nummer möglich.

Unterhaltsleistungen an Personen mit Aufenthaltserlaubnis sind ohne Identifikationsnummer abzugsfähig, wenn für die unterhaltende Person eine Verpflichtung nach ß 68 AufenthG abgegeben wurde, dass sämtliche Kosten des Aufenthalts übernommen werden. Bei der Höhe kann regelmäßig davon ausgegangen werden, dass Aufwendungen in Höhe des Höchstbetrags angefallen sind.

2. Krankheitskosten.

Krankheitskosten sind grundsätzlich berücksichtigungsfähig, solange diese nicht von der Krankenkasse erstattet werden.

Nicht abzugsfähig sind jedoch:
– Kosten für nicht wissenschaftlich anerkannten Behandlungsmethoden. Ob eine Behandlungsmethode wissenschaftlich ist oder nicht, entscheidet im Zweifel das Finanzgericht als Tatsacheninstanz.
– Fettabsaugung ist keine wissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethode zur Beseitigung von Krankheiten.
– Aufwendungen für Arzneimittel sind grundsätzlich abzugsfähig, wenn diese ärztlich verordnet sind. Bei dem aktuell entschiedenenStreitfall ging es um Aufwendungen wie Biotin. Vitamin B2 u d Calcium. Entscheidend war, dass die Medikamentation einer Krankheit geschuldet war und ärztlich verordnet war.

-Aufwendungen für künstliche Befruchtung für ein Ehepaar ist schon lange als außergewöhnlich Behandlung abzugsfähig, ebenso wie die künstliche Befruchtung einer ledigen Frau. Ob die Kosten eines in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebenden Paares auch abzugsfähig sind, wird aktuell vor dem BFH geklärt. Die Abzugsfähigkeit sollte jedoch auf jeden Fall beantragt werden.

3.Aufwendungen in Zusammenhang mit Behinderung

– Aufwendungen für die eine Begleitperson auf Reisen sind jedenfalls dann nicht abzugsfähig, wenn auf der Reise kein durch die Behinderung veranlassten Mehraufwand entstanden ist.
– der behindertengerechte Umbau einer Dusche ist als Folgekosten der Behinderung abzugsfähig, das gilt in gleichem Umfang für die entstanden Randarbeiten, wie Duschtüren, Fliesen und Armaturen.

– Die Kosten für den behindertenbedingten Umbau des selbstgenutzten Hauses können hoch sein. Nun ist es zulässig, die Aufwendungen nach Abzug der Erstattung durch Versicherungen auf 5 Jahr zu verteilen, nicht abzugsfähig ist jedoch der behindertengerechten Umbau einer Motoryacht.

Grundsätzlich hat jeder ein Wahlrecht, ob er den Behindertenpauschbetrag beantragt oder beispielsweise die Kosten der häusliche Pflege beantragt. Wie die Kosten am besten geltend gemacht werden, ist auf jeden Fall individuell zu rechnen und sollte mit dem Steuerberater besprochen werden.
Sonstige außergewöhnlichen Belastungen:

Kosten zu Besuchsfahrten des mitsorgeberechtigten Elternteil zu den Kindern sind nicht als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig.

Prozesskosten für eine Scheidung sind weiterhin als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig. Das gilt jedoch nicht Kosten für Vermögensauseindersetzungen, Unterhalt, sowie Sorge und Umgangsrecht.
Ansonsten gilt nach neuster Rechtsprechung, dass Kosten für einen Zivilprozess nur dann abzugsfähig sind, wenn diese einen existenziell wichtigen Bereich berühren.